(Alb-) Traumberuf Tiermedizin – wenn der Job nicht am Hoftor endet

Bereits vor einigen Jahren hatte ich das Bedürfnis über dieses Thema zu schreiben. Damals war es mehr eine Art Selbsttherapie, um das Erlebte besser verarbeiten zu können und sich den Frust von der Seele zu schreiben. Heute sitze ich erneut vor meinem Laptop und schreibe nun doch auch für die Öffentlichkeit. Nicht weil ich mich beschweren möchte, nicht weil es um Aufmerksamkeit geht. Ich möchte sensibilisieren und Verständnis schaffen für das, was wir in diesem Beruf tagtäglich leisten und was uns letztlich auch mit nach Hause begleitet und uns manchmal sogar unseren Schlaf raubt.

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben in der Vergangenheit ähnliche Artikel verfasst. Teilweise sehr allgemein formuliert, teilweise auch sehr persönlich geschrieben. Die psychischen Belastungen, die unser Beruf mit sich bringt, sind und bleiben bei uns tiermedizinischem Personal ein Dauerthema, über das leider immer noch viel zu selten gesprochen wird und welches auch leider viel zu häufig von uns selbst nicht ernst genug genommen wird.

Denn für uns endet unser Job eben häufig nicht damit, die Praxis zu verlassen. Was viele von den Kundinnen und Kunden nicht sehen ist das, womit wir uns über unsere Zeit in der Praxis hinaus beschäftigen. Sehr häufig tauschen wir uns auch noch nach Feierabend miteinander aus, sei es praxisintern oder auch mit externen Spezialistinnen oder befreundeten Kolleginnen und Kollegen. Wir schlagen Fachinformationen in Büchern nach oder suchen nach den neuesten Veröffentlichungen zu bestimmten Themen. Wir bilden uns fort und besuchen dazu Veranstaltungen oder hören uns während der Autofahrt oder auch mal beim Spaziergang Webinare an. So wie viele meiner Kolleginnen auch habe ich häufig bereits die vorgeschriebenen Fortbildungsstunden im ersten Quartal eines Jahres absolviert. Natürlich könnten wir uns dann entspannt zurücklehnen und unsere Freizeit für andere Dinge nutzen. Machen wir aber nicht.

Und ja, manchmal lassen uns Patienten auch nicht beruhigt schlafen. Wir Tierärztinnen und Tierärzte müssen im Laufe der Zeit erst einmal lernen uns abzugrenzen. Das ist etwas, was man im Studium leider nicht gelehrt bekommt: Selbstfürsorge und die mentale Gesundheit zu stärken.

Unser Beruf ist für uns eine Berufung. Wir setzen jeden Tag alles uns Mögliche daran die beste Therapie für unsere Patienten zu wählen. Wir reflektieren, sind selbstkritisch, hadern mit uns und gehen manchmal auch über unsere persönlichen Grenzen hinaus. Wir freuen uns immer über erfolgreiche Therapien, glückliche Patienten, Patientinnen und Lob der Besitzer und Besitzerinnen. Doch eine Beschwerde, eine schlechte Bewertung sowie ungerechtfertigte Kritik oder Vorwürfe wiegen häufig sehr viel schwerer. An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass wir uns durchaus auch sehr über konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge freuen. Nur so können wir uns weiter entwickeln – fachlich wie auch persönlich. Aber ich würde mir und meinem Berufsstand wünschen, dass bei aller verständlichen emotionalen Belastung der Besitzer und Besitzerinnen auch an uns gedacht wird. Denn wir sind auch nur Menschen, denen Fehler passieren können und die viel zu häufig sowieso schon schwer genug mit sich selbst ins Gericht gehen.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf zwei Initiativen hinwiesen. „Not One More Vet“ und VETHiLFE sind gemeinnützige Einrichtungen, welche die Tierärzteschaft bei mentalen Problemen unterstützt. Diese freuen sich immer über Spenden um ihren Service für uns weiter aufrechterhalten zu können.

 

Carolin Zimolong und das gesamte Team (Tierärztinnen und Tiermedizinische Fachangestellte)