Kaninchen

Kaninchen Daten

 

Unsere Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus f. domestica) gehören zur Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) und stammen vom europäischen Wildkaninchen ab. In freier Natur leben sie in Familienverbänden, bewohnen Erdbauten und fressen Pflanzen und Blätter. Neben Hunden und Katzen erfreuen sich Kaninchen als Haustiere immer größerer Beliebtheit. Wir wollen dies zum Anlass nehmen und hier über ein paar wichtige Punkte für eine artgerechte Unterbringung, die richtige Ernährung und auch unsere Möglichkeiten zur Gesundheit Ihrer Tiere beitragen zu können zu informieren.

Allgemeine Informationen
Zwergkaninchen erreichen eine Größe von 20-30 cm Länge bei einem Gewicht von 1 bis 2 kg. Größere Rassen können bis zu 40 cm lang und 5 kg schwer werden. Die Lebenserwartung von Kaninchen liegt zwischen 5-10 Jahren. Die Geschlechtsreife erreichen Kaninchen zwischen dem 4.-6. Lebensmonat.
Eine Häsin erkennt man an der schlitzförmigen Harn- und Geschlechtsöffnung. Diese sitzt, im Gegensatz zum Rammler, näher am After. Bei männlichen Tieren lässt sich der Penis durch sanften Druck auf den Unterbauch vorlagern. Die Hoden sind mit der 10.-12. Lebenswoche abgestiegen und helfen zusätzlich bei der Geschlechtsbestimmung.
Rammler können ab dem 4. Monat, Häsinnen sollten ab dem 9. Lebensmonat kastriert werden.

Artgerechte Unterbringung
Kaninchen sind sehr soziale Tiere, die gemeinsam kuscheln und sich gegenseitig pflegen. Sie dürfen daher niemals alleine gehalten werden. Neben einer paarweisen Haltung kommt vor allem die Haltung in der Kleingruppe dem natürlichen Familienverband am Nächsten. Die früher übliche Vergesellschaftung von Kaninchen mit Meerschweinchen wird heute aus Tierschutzgründen abgelehnt.

Kaninchen sind vor allem dämmerungsaktive Tiere, deren Wohlfühltemperatur zwischen 10-18°C liegt.

Zugluft sowie Temperaturen über 25°C und unter 5°C müssen entsprechend vermieden werden. Dies sollte insbesondere bei der Gestaltung der Gehege berücksichtigt werden. So muss bei einer ganzjährigen Außenhaltung auf einer Fläche von mindestens 2m² Grundfläche ein ausreichend großer frostfreier Schutzraum vorhanden sein. Im Sommer muss mindestens die Hälfte des Geheges im Schatten stehen um eine Abkühlung zu gewährleisten. Zusätzlich sollten abwechslungsreiche Unterschlupfmöglichkeiten sowie immer ausreichend Futter und Wasser zur Verfügung stehen. Achtung: Kaninchen können sehr gut und schnell graben und dürfen daher nur unter ständiger Überwachung oder mit einem Untergrabschutz ins Außengehege.

Alternativ können die Tiere auch stundenweise in ein geschütztes Freilandgehege verbracht werden. Idealerweise findet der Auslauf im Umfeld des Käfigs / Geheges statt, damit die Tiere sich ggf. auch zurückziehen können. Sollte kein Freilandgehege zur Verfügung stehen kann der Freilauf natürlich auch in der Wohnung gewährleistet werden. Hierbei sollten alle potentiellen Gefahrenquellen (Stromkabel, Zimmerpflanzen etc.) eliminiert werden.

Ein Käfig / Gehege (Mindestgröße für zwei Zwergkaninchen 140x60x50 cm) sollte an einer möglichst ruhigen Stelle stehen. Für die Innengestaltung der Gehege sind Rückzugsmöglichkeiten (Unterschlüpfe / Holzhäuser) essentiell. Auch Röhren, trittsichere Rampen und erhöhte Ebenen werden gerne angenommen. Als Bodenstreu haben sich weiche Kleintierstreu und Stroh bewährt. Eine Toilettenbox mit saugfähiger Streu wird häufig sehr gut angenommen und fördert die Stubenreinheit. Kot- und Urinecken müssen daher täglich, das Gehege und die Einrichtung mindestens einmal wöchentlich gereinigt und bei Bedarf auch desinfiziert werden.

Ernährung
Kaninchen sind reine Pflanzenfresser und besitzen einen komplizierten Verdauungsapparat. Um Verdauungsprobleme zu vermeiden, müssen Kaninchen daher artgerecht ernährt werden. Am wichtigsten ist gutes Heu, das ständig in einer Futterraufe zur Verfügung stehen muss, da die Tiere rund um die Uhr kleine Portionen fressen. Heu fördert zudem die Abnutzung der lebenslang nachwachsenden Zähne. Darüber hinaus sorgen Nagematerialien (z. B. Naturäste) für Beschäftigung. Sauberes Trinkwasser muss stets zur Verfügung stehen. Zu einer gesunden Ernährung gehört zudem mindestens zweimal täglich eine gemischte Portion Frischfutter, aus Gras und Wiesenkräutern oder wenn diese nicht zur Verfügung stehen, Salate, Gurke, Paprika und geringe Mengen Wurzelgemüse, Karotten und/oder Obst. Mischfutter oder Pellets (beides möglichst getreide-, zucker- und kalziumarm) und andere Leckerbissen, sollten nur in geringen Mengen (1 Eßl. pro Tier und Tag) aus der Hand angeboten werden, um Übergewicht, Zahn- und Verdauungsprobleme zu verhindern. Unbekannte Futtermittel dürfen anfänglich nur langsam und in geringen Mengen (kleine Streifen) gefüttert werden, damit keine Verdauungsstörungen entstehen.

Gesundheit
Der allgemeine Gesundheitszustand der Tiere sollte täglich kontrolliert werden. Häufige Krankheitsanzeichen bei Kaninchen sind Futterverweigerung, Haut- und Fellveränderungen, Durchfall und Aufblähungen. Bei Auffälligkeiten sollte umgehend der Tierarzt hinzugezogen werden. Das Gewicht sollte mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden (hier kann eine Küchenwaage genutzt werden), um einen schleichenden Gewichtsverlust schneller zu erkennen. Somit können Erkrankungen früher durch einen Tierarzt diagnostiziert und besser behandelt werden. Ebenfalls sollten die Länge der Krallen, die Schneidezähne und die Afterregion mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden. Bei Außenhaltung ist die Afterregion hingegen täglich (besser zweimal täglich) zu kontrollieren, da sich hier Fliegenmaden ansiedeln können.

Was können wir als Tierärztinnen zur Gesunderhaltung ihrer Tiere beitragen?

Schutzimpfungen gegen Myxomatose, RHDV-1 und RHDV-2
Schon seit einigen Jahren wird gegen die bekannten Kaninchenkrankheiten Myxomatose und die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (rabbit haemorraghic disease, RHDV-1)  erfolgreich geimpft. Seit 2013 breitet sich zudem ein neuer Virus, das RHDV-2, auch in Deutschland aus. Im Gegensatz zu der alten RHD-Variante erkranken und sterben jetzt nicht mehr nur erwachsene Kaninchen sondern auch Jungtiere und Feldhasen. Die bisher verwendeten Impfstoffe scheinen nur begrenzten oder keinen Schutz gegen schwere Verläufe zu bieten. Deshalb überprüfen Sie bitte ob und wie ihr Kaninchen geimpft ist, unabhängig davon ob es in Innen- oder Außenhaltung lebt. Gerne helfen wir Ihnen bei der Überprüfung des Impfstatus oder führen erneute Schutzimpfungen durch, um den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten.

Ernährungsberatung
Die Fütterung von Kaninchen stellt mit zunehmendem Angebot an Fertigprodukten ein immer größer werdendes Problem dar. Die Inhaltsstoffe entsprechen nur selten den artgerechten Erfordernissen. Die Energie- und Mineralgehalte (besonders Calcium) sind zu hoch, die Rohfaser- und Strukturgehalte deutlich

zu niedrig. Zahn-, Verdauungs- und Verhaltensprobleme sind die Folge. Gerne stehen wir beratend zur Seite, um den Kaninchen eine naturnahe und artgerechte Fütterung zu gewährleisten und so das Risiko für Folgeerkrankungen zu minimieren.

Kastrationen
Mit der Kastration von Rammlern wird die Fortpflanzungsfähigkeit unterbunden und somit eine Geburtenkontrolle betrieben. Bei der Kastration von Häsinnen liegen gesundheitliche Aspekte zugrunde. Hiermit soll Erkrankungen der Geschlechtsorgane wie beispielsweise Gebärmutterkrebs oder Eierstockzysten vorgebeugt werden. Zudem erleichtert die Kastration in vielen Fällen die Vergesellschaftung von mehreren Tieren. Gerne informieren wir in einem persönlichen Gespräch ausführlich über das Für und Wider von Kastrationen und entscheiden im Einzelfall gemeinsam mit den Besitzern über einen solchen Eingriff. 

Allgemeine und weiterführende Untersuchungen
Eine regelmäßige Gesundheitskontrolle durch die Besitzer ist unerlässlich um Erkrankungen von Kaninchen frühzeitig zu erkennen. Sind in der häuslichen Pflege Unregelmäßigkeiten aufgefallen ist es wichtig umgehend den Rat einer Tierärztin oder eines Tierarztes hinzuzuziehen. Die allgemeine Untersuchung dient dazu, eine erste Einschätzung über den Gesundheitszustand des Patienten zu erhalten. Leider sind bei Kleinsäugern häufig weiterführende Untersuchungen unerlässlich.

So haben sich neben den nicht- invasiven Urin- und Kotuntersuchungen auch Blutuntersuchungen mittlerweile etabliert. Als weiterführende bildgebende Verfahren sind der Ultraschall des Bauchraums und vor allem die Röntgendiagnostik im Bereich der Zähne unverzichtbar geworden.

Zahnerkrankungen
Erkrankungen der Zähne sind einer der Hauptgründe, warum eine Behandlung bei einem Kaninchen notwendig wird.

Die Entstehung von scharfen Kanten an den Schliffflächen der Zähne, welche sich in Zunge oder Wange einspießen können, ist häufig schon Ursache einer verminderten Futteraufnahme. Dies hat zur Folge, dass bei geringerer Abnutzung der beständig nachwachsenden Zähne diese in der Mundhöhle länger werden oder auch in die Gegenrichtung wachsen. Im Oberkiefer kann dieses zur Verlegung des Tränen-Nasenkanals mit nachfolgendem Tränen des betroffenen Auges führen, im Unterkiefer zur Auftreibung im Bereich der Wurzeln. Als Folge der Reize kann es zu exzessivem Speicheln kommen. Entsteht ein eitergefüllter Abszess, bedeutet dieses eine schwerwiegende Verkomplizierung des Krankheitsgeschehens. Therapeutisch muss somit bei falscher oder fehlender Abnutzung der Zähne bzw. bei Zahnfehlstellungen sofort eingegriffen werden, um kaum korrigierbare Spätfolgen zu vermeiden.

Das Abzwicken von Zähnen mittels einer Zange führt leider meist zu deren Splitterung, häufig gefolgt von einer Entzündung im Zahnwurzelbereich bis hin zur Abszeßbildung. Das Abschleifen der Kanten sollte also unbedingt in Narkose durchgeführt werden. Im Rahmen einer gründlichen Untersuchung und ggf. der Erstellung von Zahnröntgenaufnahmen kann unter Anästhesie eine schonendere und gezieltere Korrektur vorgenommen werden. Ist ein Zahn Ursache eines Abszesses, so muss dieser in der Regel entfernt werden und der Abszess mit medikamentellen Einlagen zur Ausheilung gebracht werden.